Wie bekannt sein mag, es finden sich immer wieder solche, die die Geschichte für eine eigene Agenda auslegen, sogar sehr mythologisch gefasst. Fallbeispiel bei Deutschen, der Führer, als angeblicher Nachfolger des Alten Fritzen, während dieser eigentlich gar nicht als deutscher Nationalist bezeichnet werden könnte, geschweige denn irgendwas mit Eugenik am Hut hatte, usw.
Dies gibt es in ähnlichen Formen auch woanders. Nicht überall so krass wie bei Nazis, und in so manchen Fällen nachvollziehbar. Als Beispiel, zu Herkus Monte ist historisch eher wenig bekannt, bzw. auch nicht unbedingt immer die genausten Quellen. Aber, ein Song zu seiner Ehrung, auch wenn es akademisch-historisch nicht vom Feinsten sein mag, da sehe ich kein Problem mit:
Problematisch wird es meiner Auffassung nach aber, wenn außer “Ehrung”, wie z.B. Benennung der “1. Preußischen Panzerdivision Erkus Mants”, ein historischer Kontext den Ton vorgibt. Also, würde man z.B. Konflikt gegen die Bundesregierung anheizen wollen, dass man Propaganda fährt, mit welcher die Bundesregierung als die schlimmen Kreuzritter dargestellt wird, die auf ihren Zwingburgen dem Luxus frönen, und wenn mal selbst was tun, dann im Sinne dessen, sich die Schatzkammer zu füllen, sowie Gebiet zu erweitern, auf welchem die großen Herren mit ihren SUVs Kinder überfahren, und es unter Banner des Christentums als “halt Preis, der für den (unseren) Wohlstand zu zahlen ist”, und so weiter, und so weiter.
Solche Propaganda mag dabei gewissen Effekt haben. Aber, es verdreht da schon paar Dinge, womit man sich auch selbst verheddert. Also, Mobilisierung mag voller Erfolg sein, aber als Teil des Militärs z.B. Hardcore-Stalinisten zu haben, die denken, dass nun überall Aktion K durchgeführt wird, da hat man viel eher ein Problem, als dies mit den paar Politikern der Fall war.
Und willkürliche Auslegungen sind auch ein Problem, da wo es zum Beispiel um einen Grenzkonflikt gehen mag. Beispiel: Schlesien.
Da kann ich als Preußen schon darauf hinweisen, dass es Preußen als solches nie abgetreten hat. Und aber, auch wenn es international nicht unbedingt groß Aufstand geben mag, wenn ich mir Schlesien nehme, und den UN-Sicherheitsrat dabei darauf hinweise, dass ich da nicht viel anders mache, als es Russland bei Donbass macht, China bei Taiwan vorhat, oder auch Israel in Westbank (also gar nichts klar für die polnischen Bürger in Schlesien, außer dass doch wegziehen können) – wirklich Sinn macht solches Vorgehen überhaupt, wenn aber eben Polen laut eigener Auslegung meint, dass es Polen ist, und meinerseits auch den Präsidenten von Tschechien gefragt, ob er denn nicht meint, dass da auch zustößt, mit einem Gebietsanspruch anhand historischer Karte, zu Zeiten bevor Tschechen dann wieder von diesen “katholischen Kreuzrittern” unterjocht wurden.
Und da hätte man jetzt also mindestens drei, wenn nicht sogar noch Österreich und Russland dazu, die auch irgendwie, dass da mal einen Soldaten hatten, und daher Gebietsanspruch auf ewige Zeiten begründet ist. Das mag sich auf einer Hand voll Mega anhören, voll so die Party. Aber naja… nicht so toll, dass zig Leute im Prinzip nur deshalb sterben, weil jeder versucht die seine Auslegung de facto durchzusetzen.
Und ähnlich ist das argumentativ auch in/bei Ukraine zu sehen. Zum einen der Kult um Bandera, als angebliches Symbol einer unabhängigen Ukraine. Unterdessen hätte man mit Nestor Machno aber eine weit solidere Galionsfigur hätte, mit welcher man u.a. betonen könnte, dass es nicht darum ging, Moskau auszuschalten, aber einfach nur darum, dass viele auch dieser Tage noch so ziemlich von der Hand im Mund leben, und bei EU scheint es etwas mehr wirtschaftliches Wachstum zu geben, bzw. etwas mehr Möglichkeiten wie man sein Leben verbringen kann, statt nur darauf angewiesen zu sein, ob eine Handvoll an Oligarchen paar Stellen ausschreiben, dazu sogar die gesamte Wirtschaftspolitik des Landes in der Hand haben, die nur auf die Interessen dieser paar Betriebe ausgerichtet ist, usw. Und statt dessen, irgendwas mit irgendwelchem Nationalismus irgendwelcher Randgruppe, die gerade mal paar Mann hatte, die im Kriegsverlauf keine Rolle hatten, und mit Pogromen in Erscheinung getreten waren.
Dabei kann man zwar verstehen, dass z.B. wie bei Ustascha in Kroatien zu sehen war, es für manche Leute als ein Symbol dessen herhält, dass es paar Mann gab, die sich angeblich für das eigene Land eingesetzt hatten, und teils Opa von jemandem, usw.
Aber eine Märchenstunde verdrängt bei sowas nicht die historische Realität, wie z.B. im Fall der Ukraine, dass mehr als 6 Millionen Soldaten der Roten Armee aus der Ukraine kamen, wie z.B. Michail Panikacha und Vasily Petrov. Was sicherlich nicht tolle Galionsfiguren sein mögen, weil doch für diese Sowjets gearbeitet hatten. Aber auch wenn die Ukraine dann nicht unabhängig war, unter Soviets war es besser, als es für viele der Fall unter Nazis gewesen wäre, wo in Deutschland in Schulen im Biologieunterricht gelehrt wurde, dass auch Slawen eine niedere Rasse, mit dazu sogar Generalplan Ost, Slawen laut deutscher Auslegung zu ‘remigrieren’, also diejenigen, die nicht man sich nicht wie auf Sklavenplantage behalten hätte. In dem Kontext hätte Ukraine mit Russland vielleicht viel eher ein Wort gefunden, statt nur auf den einen nationalistischen Klub zu setzen, während Teil der ukrainischen Geschichte aber eben auch die Millionen an Mann, die gegen diejenigen kämpften, die auch in Ukraine großes Unheil an Zivilisten begangen. Und eben auch, dass z.B. russische Kosaken nicht unbedingt alle die treusten Kreml-Anhänger sind, und wenn aber damit konfrontiert, dass Ukraine sozusagen ein “Russen haben sich im Bus hinten hinzusetzen” fährt, was für Optionen hat man dann da noch?
Und diese Thematik ist auch in Russland zu sehen. Bei Soviets mag das nicht so nationalistisch geprägt gewesen sein. Aber irgendwas zu Krimtartaren usw., da hieß es halt im Sinne von, dass es das Land des sowjetischen Proletariats ist, und fertig.
Zur Veranschaulichung, ein russisches Lied von 1937:
Da gab es die Tatschanka, als das Megading der Roten Armee der Zeit. Da hat man sich erlaubt, auf den geografischen Ursprung hinzuweisen. Aber es wäre wohl auch nicht erlaubt gewesen, da Fragen zu stellen: “Hat die sowjetische Führung die Machnowschtschina zumindest ehrenhaft behandelt, insbesondere weil sich wacker geschlagen haben?”
Und Jahrzehnte später, sitzt jemand in Moskau, und studiert Geschichte. Was findet der da vor, als Werke die im Regal stehen? Wohl eine große Mengen sowjetischer Geschichtsschreibung. Diese nicht unbedingt nur sehr mythologisch. Aber wie veranschaulicht, dies und jenes, was nicht so zur Vorstellung eines sowjetischen Reiches, unter Führung von Russen, passte, das passte halt nicht.
Nach der Wende kam dann wohl ein Beleben der monarchistischen Geschichte zutage, die unter Kommunisten generell verpönt war, als die Zeit, als die Arbeiter ausgebeutet wurden, bis sich erhoben haben, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, usw. (wo z.B. Schlösser als Schulgebäude genutzt wurden). Und würde mich nicht wundern, wenn so manches Beispiel, wo Geschichtserzähler versucht einen Nationalismus mit Monarchie zu vermischen, wie das auch bei den Nazis der Fall war.
Dadurch hat man da wohl ein ziemliches Gemisch an historischen Auslegungen, die untereinander teils auch sehr widersprüchlich sind, wenn man sich die Zeit nimmt, die Aussagen miteinander zu vergleichen. Und argumentativ aber immer wieder das Ding, dass ob Kommunist, Nationalist, oder Monarchist, alle sind sich irgendwie einig, dass Russland groß ist, und von niemandem klein gemacht werden darf, außer vom Kreml selbst im Bezug zu anderer Größe als der einer geografischen Fläche.
Dementsprechend finde ich, dass es allgemein toll wäre, zumindest paar Historikern ein Gebäude zu geben, bzw. bestehende Fakultät/en aufzustocken, damit es zu mehr national-neutralen Geschichtsauslegungen kommt – damit weitergehend weiter weniger Probleme mit irgendwelchem, dass sich eine Gruppe an bewaffneten Personen frei erfundene Sagen einpaukt, um im Namen der Sagen loszuziehen – etwas, wovon keine Nationalität an für sich immun ist, auch wenn dieser Tage damit manche Personen etwas mehr in Erscheinung treten, als es bei anderen der Fall ist.
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